Die zwei Wochen von Paris sind noch gar nicht richtig verdaut, da lädt das satte Grün schon wieder ein. Das prestigeträchtigste Tennis-Turnier der Welt startet im All England Lawn Tennis and Croquet Club zu Wimbledon. In Abwesenheit der Nummer 1 Daniil Medvedev und Sascha Zverev ist Novak Djokovic der Top-Favorit auf den Titel. 

Medvedev und Zverev nicht dabei – Nadal schon

Das Feld ist ein wenig ausgedünnt. Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine sind die Spieler aus Russland und Belarus nicht für das Turnier zugelassen. Damit fehlen einige Top-Spieler. Bei den Herren sind neben der Nummer 1 Medvedev auch Andrey Rublev oder Karen Khachanov ausgeschlossen, bei den Damen fehlt mit der Weißrussin Aryna Sabalenka die Nummer 6 der Weltrangliste.
Ein anderer großer Name ist dagegen mit von der Partie. Trotz seiner chronischen Fußprobleme plant Rafael Nadal an der Church Road aufzuschlagen. Der Spanier gewann die ersten beiden Grand Slams diesen Jahres in Melbourne und Paris. Mit einem weiteren Erfolg in Wimbledon könnte er nach dem Rekord mit 21 Major-Siegen bei den kommenden US Open auch den Grand Slam ins Visier nehmen.

Rückenwind führt zum Absturz

Stuttgart, Mallorca, Eastbourne, Halle und Queens – die Vorbereitungsturniere auf Rasen im Vorfeld von Wimbledon sind an einer Hand abzuzählen. Die beiden Letztgenannten sind die traditionsreichsten. Halle war das erklärte Lieblingsturnier von Roger Federer. Seit 2004 gewann er dort allein zehn Mal. Triumphierte bei den Terra Wortmann Open allerdings ein anderer, versagte der danach in schöner Regelmäßigkeit.

2016 siegte Florian Mayer, 2018 Borna Coric oder 2021 Ugo Humbert. Für alle Drei war danach in Wimbledon schon in Runde 1 Endstation. Auch Tommy Haas, Sieger von 2012, vergeigte im Anschluss an den Triumph von Halle den Grand Slam (ebenfalls 1. Runde Schluss).

In diesem Jahr siegte nicht nur in Halle, sondern auch in Queens Matteo Berrettini. Der Italiener weiß nur zu gut, wie das Spiel auf Gras funktioniert. Schon im letzten Jahr gewann er erst das Vorbereitungsturnier in London und zog danach ins Finale von Wimbledon ein. Berrettini bestätigt als Ausnahme die Regel, denn im Normalfall geht den Siegern von Queens in Wimbledon schnell die Luft aus. Feliciano Lopez gewann das traditionsreiche Event 2017 und 2019. Über die zweite Runde kam er beim darauffolgenden Grand Slam genauso wenig hinaus wie Marin Cilic. Der Kroate, immerhin Wimbledon-Finalist von 2017, scheiterte nach dem Turniersieg in Queens 2018 schon in der zweiten Runde.

Gewinnt bei einem der Vorbereitungsturniere unmittelbar vor dem Rasen-Klassiker nicht ein absoluter Top-Spieler, heißt das für den Turniersieger meist nichts Gutes. Die Triumphe bei den kleineren Turnieren lassen eher auf ein frühes Aus als auf ein erfolgreiches Turnier schließen.

Paris-Gewinner sind Wimbledon-Verlierer

Ähnliches gilt für die Sandplatz-Spezis beim Übergang von der roten Asche hin zum grünen Gras. Die Rasensaison ist kurz, die Vorbereitungszeit für den Höhepunkt auf den Plätzen des All England Lawn Tennis and Croquet Club ist knapp bemessen. Nur die allerbesten Spieler schaffen die Umstellung vom langsamen Sand auf den schnellen Rasen innerhalb kürzester Zeit. Zwar ist es auf beiden Belägen immer noch die gleiche Sportart, trotzdem sind für den Erfolg auf Rasen ganz andere Dinge notwendig als auf Sand.

Das erfuhr schon Rafael Nadal nach seinem ersten Sieg in Paris im Jahr 2005. In Wimbledon war kurz darauf schon in der zweiten Runde Schluss. Im Laufe der Jahre gelang ihm der schnelle Wechsel von Asche auf Gras besser, allerdings ist er nicht der einzige, der nach einem starken Auftritt in Paris in London böse erwachte.

In den letzten Jahren verabschiedete sich immer ein Halbfinalist der French Open schon in Runde 1. 2017 hatte Stan Wawrinka auf Rasen nichts zu melden, 2018 verabschiedeten sich mit den Sandplatz-Spezialisten Marco Cecchinato und Dominic Thiem gleich zwei Spieler zum Auftakt. Ein Jahr später stand Thiem sogar im Finale der French Open, musste in Wimbledon aber gleich wieder seine Koffer packen. 2021 ereilte das Schicksal Stefanos Tsitsipas. Bei den French Open kämpfte er noch um den Titel, in London scheiterte er in der 1. Runde gegen Francis Tiafoe.

Somit keine guten Aussichten für Casper Ruud. Der Norweger verlor das Endspiel von Roland Garros gegen Rafael Nadal glatt und hat in seiner Karriere schon einige Enttäuschungen auf Rasen erlebt. Im Ganzen hat er nur sieben Spiele auf Gras bestritten, nur zwei konnte er für sich entscheiden. In der laufenden Saison musste er in der 1. Runde von Queens die Segel streichen. Ruud ist in jedem Fall ein Kandidat für ein frühes Aus.

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