Nach dem extrem engen Kampf um die Meisterschaft zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt steht in der Handball-Bundesliga schon wieder die neue Saison bevor. Wir wagen einen Blick voraus und geben eine Prognose ab, wie die Chancen der Herausforderer stehen.

Es sind die drei üblichen Verdächtigen mit den größten Chancen auf die Meisterschaft: Meister THW Kiel, Lokalrivale Flensburg-Handewitt und vielleicht – trotz schwachem Jahr – die Rhein-Neckar Löwen haben das Zeug zum Titel. Einen klaren Favoriten auszumachen fällt schwer.

Mannheim plant den Umbruch

Mit leisen Titel-Hoffnungen in die vergangene Spielzeit gestartet, liefen die Rhein-Neckar Löwen nur auf Rang 5 ein. Das sportliche Abschneiden plus das letzte Vertragsjahr einiger Leistungsträger sowie die Corona-Einbußen machen ein Umdenken im Verein unvermeidbar. „Das ist die schwerste Krise in der Vereinsgeschichte“, sagt Jennifer Kettemann, Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen.

Im Sommer 2022 werden Spielmacher Andy Schmid und Andreas Palicka die Rhein-Neckar Löwen aller Voraussicht nach verlassen. Dazu enden die Verträge von Benjamin Helander, Mait Patrail und Niclas Kirkeløkke zum Saisonende. Auch der Kontrakt von Uwe Gensheimer läuft aus. Mit der Identifikationsfigur laufen aber schon Gespräche. Der Kapitän soll gehalten werden.

Dennoch soll der Verein spätestens ab dem kommenden Sommer neu ausgerichtet werden. Die Löwen wollen weniger auf Stars als auf junge Talente setzten. Kettmann sieht in dem vereinspolitischen Paradigmenwechsel keinen Rückschritt: „Auch wenn diese Entscheidungen wehtun, ist das auch eine Möglichkeit für junge Spieler aufzublühen.“ In Anbetracht der kommenden Saison weiß aber auch sie: Für die Rhein-Necker Löwen ist es nicht mehr als ein Übergangsjahr.

Flensburg wieder angriffslustig

Die SG Flensburg-Handewitt geht nach der denkbar knapp verpassten Meisterschaft mit neuem Mut in die Saison. „Wir werden uns nicht hinter irgendwelchen Aussagen verstecken. Es ist unser Anspruch, um die Titel mitzuspielen. Unsere Mannschaft wird uns viele Freude bringen“, sagt SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke voller Selbstvertrauen.

Zumindest wirtschaftlich scheint der Vize seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Der Etat von rund 7,5 Millionen Euro hat Vor-Pandemie-Niveau. Die ausfallenden Zuschauereinahmen konnten dank eines Gehaltsverzicht der Spieler kompensiert werden, dazu kam Hilfe von den Sponsoren und vom Land Schleswig-Holstein.

Mittlerweile sind auch die Olympia-Fahrer zum Kader gestoßen. Trainer Maik Machulla begrüßte zum Trainingsauftakt nur vier Neuzugänge begrüßen. Dem Quartett wird eher wenig Chancen auf die Startformation eingeräumt. Torhüter-Rückkehrer Kevin Möller darf nach drei Spielzeiten beim FC Barcelona noch am ehesten auf viele Minuten hoffen. Abwehrspieler Anton Lindskog ist als Alternative in der 6:0-Deckung willkommen, auf Links wird dem junge Dänen Emil Jakobsen die nötige Entwicklungszeit zugestanden. Dazu stößt mit Aaron Mensing ein torgefährlicher Rückraumspieler hinzu.

Insgesamt ist Flensburg sicherlich nicht schlechter aufgestellt als in der Vorsaison. Damals musste es aber auf das frenetische Publikum in der Hölle Nord verzichten. Für Flensburg ist die Rückkehr der Zuschauer in die Hallen sicherlich nochmal ein größerer Vorteil, der einen im engen Rennen um Rang 1 den Ausschlag geben kann.

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